Checkliste gegen Nepp!

Wir bitten bei Geldanlagen um Ihre Vorsicht und geben eine Checkliste mit den wichtigsten
nachstehenden Punkten gegen Nepp: (Aus Focus-Online = Urheber v. 2.4.08)

Erstkontakt entscheidet. Geschäfte am Telefon oder brandheiße Aktientipps per Mail sind selten seriös. Zwar verstoßen Vertriebler mit ungebetenen Werbeanrufen gegen das Wettbewerbsrecht, doch wenn sich der Angerufene breitschlagen lässt, hat es sich für den Werber allemal gelohnt. Unwirksam werden die Verträge dadurch nämlich nicht. Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz warnt vor heißen Angeboten am Telefon. Gerade umweltbewusste oder verunsicherte Sparer werden mit Ökofonds oder Abgeltungsteuer-freie Investments geködert. „Sofort auflegen“, lautet sein Rat. Auch Anwalt Ahrens warnt: „Keinesfalls den Anrufer nach einem ungebetenen Telefonat zu sich nach Hause einladen.“ Dann geht die Verkaufsmasche erst richtig los. „Die Zeit drängt“. Finanzen brauchen Zeit – vor allem wenn es um die Absicherung des Lebensabends geht. Macht der Berater Druck – das Angebot gilt „nur noch heute“, „der Fonds ist nahezu platziert“ – sollten Investoren hellhörig werden. Die Vermögensplanung will überlegt sein und sollte nicht auf Schnäppchen basieren. „Bei unseriösen Angeboten steht nur einer unter Zeitdruck: der Anbieter. Er muss aus einem Kunden möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit herauspressen“, sagt Pietsch. Verbraucher sollten sich Zeit gönnen, die Offerte zu vergleichen, sie im Zweifel der Verbraucherzentrale vor Ort vorzulegen und sich über den Anbieter zu erkundigen. Auch die Hausbank sollte einen Blick auf die Unterlagen werfen.

„Rendite ohne Risiko mit Garantie“. Drei Schlüsselworte in einem Satz, das zieht in turbulenten Börsenzeiten. Nicht die Zocker oder Anleger mit hohem Investitionsvolumen stehen im Visier der Betrüger. Meist sind es Kleinanleger mit hohem Sicherheitsbedürfnis, denen höchstspekulative Anlageformen wie Unternehmensbeteiligungen aufgeschwatzt werden. Doch eine wichtige Grundregel besagt: Hohe Rendite und geringes Risiko schließen sich aus. Hellhörig sollten Sparer werden, wenn der Prospekt oder Flyer von „garantierte Rendite“, „Garantiefonds“ oder „garantierter Zins“ spricht. „Meistens Humbug“, weiß Anlegeranwalt Ahrens aus Erfahrung.

„Renditen von mehr als fünf Prozent jährlich sind derzeit – wenn überhaupt – in aller Regel nur mit spekulativen Anlageformen erzielbar, bei denen Anleger jederzeit mit einem Teil- oder Totalverlust des Geldes rechnen müssen“, sagt Pietsch. Zum Vergleich sollten Anleger jedes Renditeversprechen mit einem biederen Klassiker der Geldanlage vergleichen: mit der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die die Deutsche Finanzagentur täglich veröffentlicht (s. Links). Der Staat lässt für die Tatsache, dass er zehn Jahre mit dem Geld des Bürgers arbeiten kann, derzeit 3,89 Prozent Rendite springen. Liegt der versprochene Ertrag eines Investments höher, ist ein Risiko dabei – und danach sollten Anleger im Beratungsgespräch forschen.

Alles nur mündlich. Rendite, Rückzahlungsgarantie und Laufzeit des Investments klingen traumhaft – sind sie nicht schriftlich fixiert, bringt es Anlegern nichts. Sollte sich der Berater an sein Versprechen nicht halten, haben sie im Falle eines Prozesses schlechte Karten: Sie können die angepriesene Top-Rendite ohne Risiko nicht beweisen. Anlegeranwalt Ahrens weiß aus zahlreichen Mandantenfällen, wie oft der Prospekt vom Vermittler verharmlost wird. „Ach, im Prospekt steht was von Risiko. Alles eine reine Formalie“, heißt es da. „Glauben Sie mir, das Investment ist absolut sicher.“ Wenn es so ist, hat kein Vermittler ein Problem, das auch schriftlich festzulegen. Kunden sollten sich nie abwimmeln lassen: „Lassen Sie sich Renditeversprechen, Laufzeit und Risiko schriftlich zusichern“, sagt Ahrens. Pingeligkeit siegt. „Den Prospekt hab ich leider nicht dabei“. Einige Vermittler behaupten, der Vertragsprospekt könnte erst nach der Vertragsunterzeichnung überreicht werden, oder weigern sich, ihn vor dem Beratungsgespräch zuzuschicken: „Die Produktionskosten sind hoch“, „ist gerade aus“, „brauchen Sie nicht“. Das ist rechtswidrig. „Anleger haben ein Recht auf den Emissionsprospekt vor der Unterschrift“, sagt Anwalt Jan-Henning Ahrens und verweist auf eine Vorschrift im Wertpapierhandelsgesetz und im Finanzmarktrichtlinien-Umsetzungsgesetz.

„Anleger sollten sich auch nicht mit einem Flyer statt des 40- und mehrseitigen Prospekts abspeisen lassen“, rät Volker Pietsch. Mit der Unterschrift unter den Vertrag bestätigen Anleger in der Regel, „den Prospekt gesehen und gelesen“ zu haben – ein Passus, der ihre Chancen im Falles eines Schadenersatzprozesses verringert.

"Ihr Bruder hat auch schon unterschrieben“. Nicht nur der Friseur, Anwalt, Zahnarzt und Fußpfleger leben von Mund-zu-Mund-Werbung. Auch dubiose Finanzdienstleister nutzen den Vertrauensbonus, der von Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis ausgeht. „Ihr Bruder schickt mich“, „Ihr Kollege meinte, Sie wären vielleicht ebenfalls an dem Sparmodell interessiert“ – dreiste Behauptungen, die nicht stimmen müssen. DIAS-Chef Volker Pietsch beobachtet, dass häufig geschäftsunerfahrene oder nichts ahnende Kunden vorgeschoben werden, um weitere Anleger zu gewinnen.

„Über die Weiterempfehlung der Geldanlage an Verwandte, Bekannte und Freunde kommt ein gesundes Misstrauen erst gar nicht auf, sodass viele geworbene Kunden leichtgläubig in betrügerische Anlageformen hineingeraten“, sagt Pietsch. Hier gilt die Regel: Was Verwandte abgeschlossen haben, ist kein Indiz für Seriosität. Oft steckt ein sogenanntes Schnellballsystem dahinter: Die anfänglichen Erträge werden nur aus den neu gewonnenen Anlegergeldern gezahlt, das System bricht unweigerlich in sich zusammen, wenn „frisches Geld“ neuer Anleger ausbleibt – wer zuletzt gezeichnet hat, den beißen die Hunde.

Gegenfragen, keine Antworten. Ebenfalls ein Zeichen für Unlauterkeit ist Ausweichen. Unsichere Anleger fallen oft auf einen alten Verkäufertrick herein. Auf eine klare Frage erhalten sie eine Gegenfrage. „Vertrauen Sie mir nicht?“, „Woher das Misstrauen?“ Wer das Muster nicht durchschaut, hält zwar das Gespräch am Laufen, erhält jedoch keine Antworten – und was noch schlimmer ist, keine schriftlichen Beweise, falls sich das Investment als Reinfall erweist.#

Unerfahrener Initiator. Auf dem Markt tummeln sich viele schwarze Schafe. Allein im Beteiligungsbereich gibt es ein regelrechtes Kommen und Gehen der Anbieter. Viele sind unbekannt und bieten teure Produkte an. Auch wenn Existenzgründer nicht per se vertrauensunwürdig sind, bei Finanzanlagen sollten gerade sicherheitsbewusste Anleger auf Erfahrung setzen. Eine kleine Klitsche auf dem Land, die ein höchst spekulatives Geschäftsmodell offeriert, hat selten die Finanzausstattung, um für Ausfälle geradezustehen.

Umso besser sieht’s da für Unbekannte aus, wenn sie namhafte Banken oder Brokerhäuser als Partner nennen. Doch Vorsicht: Nur eine Nachfrage bei den Großen bietet Gewähr, dass sie auch wirklich mit an Bord sind. Oftmals wissen sie von ihrem „Glück“ nichts. Auch wenn der Initiator eines geschlossenen Fonds oder einer Unternehmensbeteiligung keinerlei Referenzen aufweisen kann, ist Vorsicht geboten.

Vorsicht Expertenanschein. Um einer riskanten Anlageform einen seriösen Anschein zu geben, arbeiten viele Trickser mit Experten – Blendwerk Titel. „Das ist mit Vorsicht zu genießen“, weiß Pietsch. Steht etwa im Prospekt, dass das Konzept mit Anwälten und Steuerberatern entwickelt wurde, muss das nicht stimmen. Auch Begriffe wie Vermögensberater, Finanzberater oder Finanzkaufmann sagen nichts – sie sind rechtlich nicht geschützt. Genauso wenig ist der Hinweis, dass bestimmte Anlageformen den Gang zum Notar erfordern ein Hinweis auf Seriosität. Bei Immobilienanlagen und einigen Unternehmensbeteiligungen ist eine notarielle Abwicklung des Geschäfts vorgeschrieben. Ein Notar kontrolliert dabei nur die formale Richtigkeit der Geschäftsabwicklung. Ob das Unternehmen seriös und das Gewinnversprechen des Anbieters realistisch ist, hat er nicht geprüft.

BaFin-geprüft. „Ein beliebtes Verkaufsargument“, weiß Anlegerschützer Pietsch. Nur leider erzeugt das Logo der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) falsche Hoffnungen. Es besagt nur, dass der Prospekt die formellen Kriterien der Prospekterstellung berücksichtigt – ein Gütesiegel ist es nicht. Anbieter müssen bei der BaFin einen Prospekt einreichen, bevor sie das Produkt dem Markt vorstellen. „Die BaFin prüft dabei, ob der Prospekt die gesetzlich geforderten Mindestangaben enthält und verständlich abgefasst worden ist“, so die BaFin auf ihrer Website. Bei Wertpapierprospekten wird zusätzlich noch sichergestellt, dass der Prospekt keine widersprüchlichen Aussagen aufweist. „Die BaFin überprüft jedoch weder die Seriosität des Anbieters, noch kontrolliert sie das Produkt“, so die Bankenaufsicht. Hierauf müssen Emittenten von Vermögensanlagen in ihren Verkaufprospekten sogar ausdrücklich hinweisen.

Fragwürdige Adressen und Gesellschaftsformen. Vorsichtig sollten Anleger auch bei auffälligen Firmenadressen oder Auslandsbezügen werden. Folgende Angaben sollten auf den Unterlagen, dem Prospekt und Briefkopf angegeben sein: Name und Rechtsform, Firmensitz mit Ort und Straße, Geschäftsleitung, Handelsregisternummer und Ort des Handelsregistereintrags, Bankverbindung, Telefonkontakt – bei Aktiengesellschaften muss zusätzlich auch der Name des Vorstands angegeben sein.

Vorsicht bei Abweichungen:
– Eine GmbH i.G. (in Gründung) zeigt, dass der Anbieter erst seit Kurzem tätig und nicht im Handelsregister eingetragen ist.
– Die Firma arbeitet in der Rechtsform einer Limited oder Corporation und hat keine Adresse in Deutschland. Sollte es einmal zum Prozess kommen, haben Anleger bei Anbietern im Ausland oft schlechte Karten, den Fall vor einem deutschen Gericht zu verhandeln.
– Keine deutsche Bankverbindung: Auch hier drohen im Falle des Scheiterns Schwierigkeiten.

Schlechte Presse und andere Infos. Selbst wenn der Prospekt gelesen ist, ein Blick ins Internet und Fachforen schadet nicht. Den Namen des Fonds oder des Initiators zu googeln ist ebenso ratsam wie ein Blick ins Telefonbuch, ob die Anschrift passt (www.telefonbuch.de). Unter www.denic.de können Interessierte herausfinden, auf wen eine angegebene Internetadresse zugelassen ist. Der Service gilt nur für .de-Adressen. Internationale Accounts lassen sich mit www.whois.org überprüfen.

Eine komplette Übersichtsseite, in der alle dubiosen Fondsvermittler oder Anbieter aufgeführt sind, gibt es derzeit nicht. Verbraucherzentralen bieten viele Informationen über geplatzte Fonds und laufende Verfahren an (www.vzbv.de). Unter www.anlageschutzarchiv.de und beim Branchendienst www.fondstelegramm.de können Interessierte nach Infos zu dubiosen Praktiken und Firmen suchen. Auch Anlegerschutzorganisationen bieten wertvolle Hinweise, etwa unter www.dias-ev.de, www.dsw-info.de oder www.sdk.org.

Gruss Ihr Team von GIW / gez. Joachim Andreas