Graffiti u.a.

Nur teure Zusatz-Policen helfen gegen Graffiti

Farbsprüher kosten Kommunen und Hausbesitzer jedes Jahr bis zu 500 Millionen Euro. Wer sich schützen will, muss tief in die Tasche greifen.

Das sieht hier ja aus wie in der Bronx!“ Das Urteil des jungen US-Amerikaners über eine ganz durchschnittliche Hamburger Wohnstraße bezog sich nicht etwa auf eine Schießerei oder Drogendeals auf offener Straße – sondern auf die mit Graffiti-Schmierereien bedeckten Hauswände. Für ihn ganz klar ein Zeichen von Verwahrlosung und Kriminalität, in Deutschland jedoch trauriger Alltag.


Sprayer gestalten und verunstalten die Stadt

Sicherheit rund ums Haus

Laut Angaben des Deutschen Städtetages verursachen Farbsprüher hierzulande jedes Jahr Schäden von bis zu 250 Millionen Euro. Etwa die Hälfte der Summe entfällt demnach auf öffentliche Verkehrsmittel, knapp ein Drittel auf private Immobilien und 20 Prozent auf öffentliche Gebäude. „Die Schmierereien verursachen nicht nur immense Beseitigungskosten, sie verschandeln auch das Gesamtbild der Städte“, schimpft die Präsidentin des Städtetages, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. „Farbschmierereien sind keine Kunst, sondern beschädigen öffentliches und privates Eigentum.“


Der Eigentümerverband Haus&Grund schätzt die Schadenssumme sogar doppelt so hoch ein wie der Deutsche Städtetag und geht von Schäden in Höhe von 500 Millionen Euro pro Jahr durch illegale Graffiti aus. Seit Ende der 90er-Jahre haben Graffiti, die Wände und Gebäude verunstalten, drastisch zugenommen. Mit zahlreichen Aktionen versuchen Behörden, Vereine, und Initiativen, diesem Trend entgegenzuwirken. Ihre wichtigsten Ziele sind neben der Wiedergutmachung und Prävention auch die Beseitigung der so genannten „Tags“, wie die Schmierereien in der Szenesprache heißen.

Auch die Politik hat das Problem erkannt: Bereits 2005 wurde – auf Drängen von Haus&Grund oder dem Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen (GdW) – das Strafrecht verschärft. Zuvor galt es nur als Ordnungswidrigkeit, Hauswände gegen den Willen der Eigentümer mit Graffiti zu verunstalten – schließlich würden Schmierereien zu keiner Schädigung der Bausubstanz führen, so die damalige Rechtsauffassung. Nun müssen sich die Sprayer wegen Sachbeschädigung verantworten, wenn sie erwischt werden.


In der Praxis sind Fahndungserfolge wie etwa die jüngst in Hamburg erfolgte Festnahme des berühmt-berüchtigten Graffiti-Sprayers Walter Josef F. jedoch selten. Der 61-Jährige treibt seit vielen Jahren in der Hansestadt sein Unwesen, indem er Hauswände, Brücken oder öffentliche Verkehrsmittel mit seinem Tag „Oz“ beschmiert. Die meisten der selbst ernannten „Künstler“ entkommen unerkannt. Und die Hausbesitzer bleiben auf den Kosten für die Beseitigung der Graffiti sitzen. Die Wohngebäudeversicherung kommt im Normalfall nicht für Graffiti-Schäden auf.

Zwar empfiehlt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV), eine entsprechende Klausel in die Versicherungsverträge aufzunehmen. Meist ist sie aber nur in den deutlich teureren Premium-Policen zu finden. Die Gothaer Versicherung verlangt beispielsweise für eine Standard-Wohngebäudepolice für ein in den 90er-Jahren gebautes Einfamilienhaus in Bremen mit 150 Quadratmetern Wohnfläche und gehobener Ausstattung 370 Euro pro Jahr.

Bewohner können die Miete mindern

Ohne Selbstbeteiligung werden die Kosten für eine Graffiti-Entfernung jedoch nur in der Police „Gothaer WohngebäudeTop mit PlusDeckung“ übernommen – und die würde für das gleiche Gebäude 487 Euro im Jahr kosten. Da bleibt den meisten Eigenheimbesitzern nichts anderes übrig, als die Kosten für die Entfernung der unerwünschten Farbe selbst zu berappen, zumal viele Kommunen Grundeigentümer mit Ordnungsverfügungen dazu verpflichten, Graffiti umgehend zu beseitigen.


Besitzern von Mietshäusern sitzen zudem die Bewohner im Nacken, die bei Nichtbeseitigung die Miete mindern können. Das Amtsgericht Berlin-Schöneberg etwa urteilte, dass die Nettokaltmiete um zwei Prozent gemindert werden kann, wenn im Eingangsbereich, im Treppenhaus oder auch im Durchgang zum Hof Graffiti vorhanden sind (Az.: 17 C 521/01). „Letztlich geht es beim Wohnen auch darum, dass man sich in den eigenen vier Wänden wohl fühlen kann. Dazu gehören auch bestimmte ästhetische Qualitäten, denen ein Gebäude genügen muss“, sagt der Berliner Anwalt Stefan Pfeiffer. Zwar beeinträchtige ein Graffiti auf der Fassade die Tauglichkeit zum vertragsgemäßen Gebrauch einer Wohnung eigentlich nicht.

„Dennoch kann es sich dabei um einen Mangel handeln, der Gewährleistungsansprüche des Mieters auslöst“, so der Jurist. Experten raten Immobilienbesitzern daher, präventiv gegen Graffiti zu arbeiten, um hohe Folgekosten zu vermeiden. So könnten etwa spezielle Schutzanstriche an den Fassaden aufgebracht werden, die ein einfaches Entfernen der Farbe ermöglichen.

Auch eine Begrünung der Wände mit Efeu oder anderen Kletterpflanzen kann helfen. In Durchgängen und Höfen empfiehlt sich ein Bewegungsmelder, so dass das Licht die Täter vertreibt. Und auch wer große Flächen nicht einfarbig streichen sondern von einem Künstler gestalten lässt, kann damit Schmierereien verhindern. Denn die meisten Graffiti-Sprayer verstehen sich selbst als Künstler – und haben deshalb Respekt vor den künstlerischen Werken anderer.

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